🤖 Wer arbeitet hier eigentlich für wen?

🤖 Wer arbeitet hier eigentlich für wen?

Warum eine Putzstunde auf Spiekeroog rund 50 Euro kostet, was ein Badabzieher damit zu tun hat und wieso am Ende ein Roboter unseren Ladenboden putzt.

Mittwochabend im INSELWiNKEL.

Es ist WiNKELABEND, wir haben bis 21 Uhr geöffnet. Ich stehe draußen und unterhalte mich mit Gästen. Drinnen beginnt plötzlich jemand mit der Arbeit.

Robbi.

Unser neuer Saug- und Wischroboter war damals noch auf 20 Uhr programmiert. Was ich an diesem Mittwoch schlicht vergessen hatte.

Während ich draußen stehe, zieht Robbi völlig unbeeindruckt seine Runden durch den INSELWiNKEL. Ein älterer Herr kommt ins Geschäft und schaut Robbi erst einmal eine Weile zu. Als ich von draußen dazukomme, sagt er: „Nanu, was ist das denn für ein Teil?“

Spätestens da war klar: Wir müssen Robbis Dienstplan noch einmal besprechen. 😉

🤓 Manchmal probiere ich zu gern etwas Neues aus

Dass irgendwann ein Roboter bei uns einzieht, ist bei mir vielleicht gar nicht so überraschend. Ich probiere unglaublich gerne neue Technik aus. Manchmal ein bisschen zu gerne.

Inzwischen habe ich deshalb sogar ein festes Budget für solche Experimente. Man merkt an solchen Stellen, dass Lisa früher im Konzerncontrolling bei IKEA Deutschland gearbeitet hat. 😉 Und ganz unberechtigt ist diese kleine interne Investitionskontrolle nicht.

Wir hatten zum Beispiel elektronische Türschlösser, die mit unserer salzhaltigen Inselluft nicht besonders gut klarkamen. Mein Maßstab für Technik ist deshalb inzwischen ziemlich einfach: Sie muss uns tatsächlich Arbeit abnehmen. Sonst habe ich mir kein Problem gelöst, sondern nur ein neues gekauft.

🧹 Eigentlich wollten wir die Reinigung abgeben

Ende 2025 haben wir überlegt, welche Arbeiten wir in der kommenden Saison nicht mehr komplett selbst erledigen möchten. Eine davon war die Reinigung.

Wir haben deshalb bei einem professionellen Reinigungsdienstleister auf Spiekeroog angefragt. Der Netto-Stundenverrechnungssatz lag bei rund 50 Euro. Im ersten Moment fand ich das ziemlich viel. Inzwischen finde ich die Zahl nachvollziehbar.

Denn Reinigung ist für mich einer der unterschätztesten Jobs überhaupt. Viel davon passiert, wenn niemand zusieht. Trinkgeld gibt es eher selten, Lob vermutlich auch. Dafür fällt ziemlich schnell auf, wenn irgendwo etwas nicht sauber ist.

Ein bisschen nach dem Prinzip: Nicht geschimpft ist Lob genug.

Auf Spiekeroog kommt noch ein anderes Problem dazu: Wer hier arbeitet, braucht auch einen Platz zum Wohnen. Geeigneter Wohnraum für Saisonkräfte ist knapp und meist WG-artig organisiert: eigenes Zimmer, geteilte Küche. Wer eine eigene Wohnung gewohnt ist oder eine Familie hat, kommt für so eine Stelle gar nicht erst infrage.

Gleichzeitig beobachte ich gerade in der Reinigung eine hohe Fluktuation. Für die Betriebe bedeutet das immer wieder: Menschen finden, unterbringen und einarbeiten.

Der Fachkräftemangel sieht hier draußen deshalb noch einmal anders aus.

Es fehlt nicht nur an Menschen. Es fehlt auch an Betten für sie.

Und dadurch hat sich für mich die Frage verändert.

Nicht: Wie bekommen wir Reinigung möglichst billig?

Sondern:

Für welche Arbeiten brauchen wir überhaupt einen Menschen – und welche stumpfen, ständig wiederkehrenden Aufgaben kann uns Technik abnehmen?

Wir haben keine Reinigungskraft durch einen Roboter ersetzt.

Das Angebot umfasste viel mehr als das, was Robbi heute macht. Toiletten, Kühlgeräte, Flächen, Fenster sowie Grund- und Endreinigung erledigt ein Saugroboter natürlich nicht. Diese Arbeiten machen wir weiterhin selbst.

Automatisiert haben wir nur eine ziemlich stumpfe Aufgabe: unseren Boden.

Vor Robbi haben wir den Laden an jedem Öffnungstag rund fünf Minuten gefegt und zweimal pro Woche eine halbe Stunde feucht gewischt. Macht anderthalb Stunden die Woche. Bei längerem Regen muss an jedem Öffnungstag gewischt werden. Dann sind es dreieinhalb.

Über eine Saison von rund 35 Wochen sind das 50 bis 120 Stunden Bodenarbeit.

Jede Saison aufs Neue.

Es sind gar nicht die fünf Minuten am Abend, die das Problem sind. Es ist die Tatsache, dass sie immer wiederkommen. Solche Aufgaben finde ich für Automatisierung spannend.

🤖 Also kam Robbi

Wir haben uns für einen Roborock Qrevo S Pro entschieden. Der Roboter hat 489,99 Euro gekostet. Dazu kommen natürlich Reinigungsmittel, Beutel, Strom und irgendwann Ersatzteile. Für uns zählt vor allem: Er macht die Aufgabe, für die wir ihn gekauft haben.

Er saugt und wischt unseren Ladenboden – einmal mittags und ein zweites Mal ab 22 Uhr, wenn der Laden geschlossen ist. Die alte 20-Uhr-Einstellung vom WiNKELABEND ist Geschichte.

🏖️ Ganz ohne uns kann Robbi auch nicht

Natürlich ist auch Robbi kein Selbstläufer. Zum hinteren Bereich des INSELWiNKELs haben wir eine Schwingtür, die wir für ihn offen halten müssen.

Zuerst hatten wir dafür einen Holzkeil. Der rutschte auf unserem Boden ständig weg. Auf dem Festland würde man wahrscheinlich kurz zum Baumarkt fahren und einen passenden Türstopper kaufen. Auf Spiekeroog fährt man nicht mal eben irgendwohin.

Also schaut man, was da ist.

Heute klemmen wir einen Badabzieher in die Tür.

Und dann wäre da noch unser größter Gegner: Sand. Davon haben wir unglaublich viel im Laden und entsprechend schnell sind Robbis Beutel voll. Ganz ohne uns geht es also nicht.

Überhaupt finde ich moderne Technik in dieser Hinsicht ziemlich lustig: Sie soll uns Arbeit abnehmen und kommandiert uns dabei ganz schön herum. Die Kaffeemaschine möchte Bohnen. Irgendein Teil soll gereinigt werden. Robbi möchte einen neuen Beutel oder frisches Wasser.

Und wehe, man erledigt seinen Auftrag nicht. Dann wird die Arbeit eben eingestellt. 😉

Manchmal bin ich mir deshalb gar nicht so sicher, wer hier eigentlich für wen arbeitet. Das tägliche Saugen und Wischen nimmt Robbi uns tatsächlich ab. Das war der Plan.

Robbi läuft bei uns seit Juli. Ob er eine komplette Saison mit unserem Sand und dem Inselalltag genauso zuverlässig übersteht, weiß ich noch nicht. Diesen Test muss er erst noch bestehen.

🌊 Was ich daraus gelernt habe

Im INSELWiNKEL haben wir eher zu viele Aufgaben für die vorhandene Zeit. Das ist unsere Realität im Alltag.

Deshalb werde ich vermutlich auch weiterhin technischen Kram ausprobieren – zumindest innerhalb meines von Lisa genehmigten Budgets. 😉 Ich schaue inzwischen allerdings anders darauf.

Technik muss nicht alles können und auch nicht überall einen Menschen ersetzen. Interessant wird sie für mich bei den Aufgaben, bei denen wir uns irgendwann fragen: Warum machen wir das eigentlich jeden Tag noch selbst?

Robbi macht bisher genau das.

Und wenn wir abends einen Badabzieher in unsere Schwingtür klemmen müssen, damit unser ziemlich moderner Roboter auch den hinteren Teil des Ladens erreicht, beschreibt das unseren Umgang mit Technik ganz gut: Es muss am Ende einfach funktionieren. Hightech hin oder her.

An diesem Mittwochabend stand ich draußen und habe mich in Ruhe mit Gästen unterhalten. Wenn ihr bei uns im Laden steht, will ich genau dafür Zeit haben. Zu wissen, dass danach weniger Arbeit wartet, macht den Kopf frei.

So herum finde ich Technik richtig. Sie soll die Zeit schaffen, die man dann für Kunden hat.

Robbi putzt den Boden. Mit unseren Kunden rede ich selbst. 💚

2 Kommentare

Georg Dorenkamp

Georg Dorenkamp

Moin ihr Lieben, auch ich lese eure Blogbeiträge immer sehr gerne. Unaufgeregt, aber sehr informativ. Ich freue mich auf die letzte Septemberwoche, denn dann bin ich wieder auf meiner Lieblingsinsel. Ich werde dann die Saugleistung von Robbie inspizieren.😎😊

Moin ihr Lieben, auch ich lese eure Blogbeiträge immer sehr gerne. Unaufgeregt, aber sehr informativ. Ich freue mich auf die letzte Septemberwoche, denn dann bin ich wieder auf meiner Lieblingsinsel. Ich werde dann die Saugleistung von Robbie inspizieren.😎😊

Andrea

Andrea

Liebe Lisa, lieber Andreas,

ich möchte euch nur mal sagen, wie gerne ich eure Beiträge lese.
Die (manchmal vielleicht auch ernüchternde) Realität beschreiben, mal mit einem Augenzwinkern, und dem ehrlichen Fazit geben mir als Leserin und Sp’oog-Liebhaberin einen kleinen Einblick in euren Inselsalltag. Danke dafür! Macht einfach weiter so, ich find‘s toll! Beste Grüße aus Hannover, Andrea

Liebe Lisa, lieber Andreas,

ich möchte euch nur mal sagen, wie gerne ich eure Beiträge lese.
Die (manchmal vielleicht auch ernüchternde) Realität beschreiben, mal mit einem Augenzwinkern, und dem ehrlichen Fazit geben mir als Leserin und Sp’oog-Liebhaberin einen kleinen Einblick in euren Inselsalltag. Danke dafür! Macht einfach weiter so, ich find‘s toll! Beste Grüße aus Hannover, Andrea

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